Das Kwanzaa-Fest

Schwarzes Empowerment zwischen den Jahren

Sieben Tage, sieben Kerzen. Ganz egal, ob es weiße Weihnachten gibt, wird in der letzten Woche des ablaufenden Jahres Black Empowerment gefeiert. Dies geschieht im Rahmen des Festes, das den Namen Kwanzaa trägt. Das Wort entstammt der Swahili-Bezeichnung matunda ya kwanza, die „erste Früchte“ bedeutet. Der Ausdruck nimmt auf afrikanische Erntefeste Bezug. Eine alte Tradition? Jein. Okay, schon alt genug. Im Jahre 1966, gerade als ich fünf war, wurde die Feier aus der Taufe gehoben, und zwar in den Vereinigten Staaten.

Kwannza findet immer vom 26. Dezember bis zum 01. Januar statt. Entwickelt wurde Kwanzaa als ein panafrikanisch gesinntes Ritual Mitte der 1960er Jahre von Maulana Ndabezitha Karenga, als Ronald McKinley Everett geboren. Maulana Karenga, inzwischen 80 Jahre alt, ist ein zweifach promovierter Professor für African Studies at California State University, ein verfolgter Aktivist, der etliche Jahre in Haft verbracht hatte, und auch ein mehrfacher Buchautor. Ganz ohne Kontroverse war er wohl nicht. Ständig gab es zwischen seiner Aktivistengruppe „US Organization“ und den Black Panthers wortwörtlich gewaltige Auseinandersetzungen und unerbittlich böse Vorwürfe. Die Rivalitäten wurden, wie inzwischen veröffentliche Regierungsdokumente beweisen, durch das unter J. Edgar Hoover rassistisch agierende FBI klammheimlich geschürt, und zwar gemäß des Vorhabens, die Schwarze Bürgerrechtsbewegung so nach dem Prinzip divida et impera aufzuspalten und auszubremsen.

Mit der Einführung von Kwanzaa war Karenga darauf bedacht, uns Schwarzen eine Alternative zu den bestehenden Feiertagen zu bieten, ohne Weihnachten verdrängen zu wollen, und uns dabei die Möglichkeit zu bescheren, uns selbst und unseren historischen Werdegang zu feiern, anstatt lediglich den Praxen der vorherrschenden Gesellschaft nachzuahmen.

In Anbetracht der Sklaverei (hauptsächlich von 1619 bis 1865) wurden wir Afroamerikaner*innen generationenübergreifend von dem getrennt, was es bedeutet, afrikanisch zu sein. Ungeachtet der lithurgisch-musikalischen Gospel-Tradition, die im Rahmen der Zwangschristianisierung erfolgte, gab es relativ wenige Bräuche, die beibehalten wurden beibehalten und nicht viel belastbare Auskunft ihre wahren, zwischenzeitlich ohnehin kolonial besetzte Herkunftsländer. Deswegen vereint Kwanzaa Traditionen aus verschiedenen Ländern und Kulturgruppen innerhalb des afrikanischen Kontinentes. Obwohl anfangs auf Nordamerika bezogen, die eine gemeinschaftliche afrikanische Philosophie, die Kwanzaa verkörpert, setzte sich im Laufe der Jahrzehnte sowohl in der Diaspora als auch in Kontinentalafrika durch.

Die Rituale des Festes schreiben Nguzo Saba, nämlich die sieben Prinzipien des afrikanischen Erbes, eine Woche lang groß:

Umoja (Einheit). Die Einheit in Familie, Gemeinschaft, Nation und Rasse anzustreben und zu erhalten.


Kujichagulia („Selbstbestimmung“). Damit wir uns selbst definieren, uns einen Namen zu geben, für uns selbst zu erschaffen und für uns selbst zu sprechen.


Ujima („Gemeinschaftsarbeit sowie Verantwortung“). Unsere Community aufzubauen und zu erhalten und die Probleme unserer Brüder und Schwestern zu unseren eigenen Problemen zu machen und diese gemeinsam zu lösen.


Ujamaa („eine Art Genossenschaftsökonomie“). Eigene Geschäfte aufzubauen und gemeinsam davon zu profitieren.


Nia („Zweck“). Unsere kollektive Berufung zum Aufbau der Community zu machen, um unserem Volk seine traditionelle Erhabenheit zurückzugeben.


Kuumba („Konstruktives“). Menschenmögliches tun, um unsere Gemeinschaft schöner und nützlicher und nachhaltiger zu hinterlassen, als wir sie geerbt haben.


Imani („Glaube“). Unabhängig von der jeweiligen Religion von ganzem Herzen an unser Volk, unsere Eltern, unsere Lehrer*innen, und an die Rechtschaffenheit und an schlussendlichen den Sieg unseres Kampfes für Gerechtigkeit zu glauben.

Die sieben obenerwähnten Kerzen befinden sich in einem Kerzenhalter namens Kinara. Die drei roten Kerzen sind links, die schwarze Kerze in der Mitte und die drei grünen Kerzen rechts. In der ersten Nacht von Kwanzaa wird die schwarze Kerze angezündet, und in den darauffolgenden Nächten wird sie immer zuerst angezündet. Dabei wird jedwede Nacht eine weitere Kerze von links nach rechts zum Leuchten gebracht. Der Kerzenhalter wird auf dem Tisch oder einem Altar aufgestellt, zu dem verschiedene Symbole und Gaben hinzugefügt werden. Dazu zählen Mazao („Getreide“), durch frisches Obst und Gemüse repräsentiert, Muhindi („Kornähren“), um Kinder darzustellen, kikombe cha umoja („ein Trinkgefäß der Einheit“), um den afrikanischen Vorfahren mit einem Toast bzw. mit einer Tischrede zu gedenken und Shukrani („Dank“) zu geben. Es dürfen auch weitere Zawadi („Geschenke“) dazukommen.

Übrigens: Die Farben Rot, Grün und Schwarz sind die symbolischen Farben des Urlaubs. Und bei dieser Gelegenheit wünsche ich allen weiterhin besinnliche Feiertage.

(Fotoquellen mit jeweiligen Bedingungen)


Dr. Michaela Dudley (Jg. 1961), eine Berliner trans*frau und Queer-Feministin mit afroamerikanischen Wurzeln, ist Kolumnistin, Kabarettistin und Keynote-Rednerin. Ihre wortgewandten Kolumnen „Frau ohne Menstruationshintergrund“ in der TAZ sind vielen bekannt. Sie schreibt auch gern gelesene, sozialkritische Artikel für den Tagesspiegel, das LGBTQ-Magazin Siegessäule, Missy, Rosa Mag und nicht zuletzt für uns https://dudley.veganverlag.de/
Die gelernte Juristin setzt sich für die Würdigung der Vielfalt ein, und zwar auch in ihrer Eigenschaft als Expertin für Vielfalt. Als die „Diva in Diversity“ arbeitet sie mit der Deutschen Bahn, den Mitteldeutschen Rundfunk und der Führungsakademie der Bundesagentur für Arbeit zusammen. Sie war Gastrednerin beim Parlamentarischen Regenbogenabend 2021 von Bündnis 90 / Die Grünen in Berlin. In diversen Fernsehsendungen wie Kulturzeit (3Sat/ZDF) und Brisant (ARD) kommentiert sie brandaktuelle Themen. Ihr satirisches, musikalisch untermaltes Kabarettprogramm heißt zum „Eine eingefleischt vegane Domina zieht vom Leder“.

Und ja, sie ist und isst tatsächlich vegan. Biovegan.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.